Verkörperungen des Göttlichen

Karima Knickmeyer
20.07.20

Heute gezeigte Bilder des menschlichen Körpers inszenieren ihn als Mittel, Individualität und Persönlichkeit auszudrücken. Er wird so gekleidet, geformt und präsentiert, wie wir gesehen werden möchten und er soll damit vor allem für eines stehen - uns selbst.
Gibt es eine Alternative zu dieser subjektiven und profanen Wahrnehmung des Körpers? Welche Rolle spielte und spielt er in anderen Gesellschaften und vor allem in religiösen Zusammenhängen?
In einem kurzen Video ist zu sehen, wie unterschiedlich Körperlichkeit in Ansätzen des Buddhismus, Christentums und Islam gesehen werden kann.
Dieses Video berührt diese Kontexte nur oberflächlich. Solltet ihr Interesse an einer Weiterführung des Themas haben, hinterlasst gerne einen Kommentar unter dem Video.
Je mehr sich dafür interessieren, desto wahrscheinlicher ist es, dass ich eine tiefergehende Version anbiete.
Zunächst aber viel Vergnügen mit dieser hier: Kunst Religion und Körper

Orientalismus

Karima Knickmeyer
06.06.20

Welche Eindrücke haben wir von anderen Kulturen? Wieviel davon bleibt oberflächlich und welches Wissen haben wir wirklich über sie? Sind wir beeinflusst durch die knappen Darstellungen und kurzreichenden Beiträge der Tagespresse?
Der Prozess, der heute gemeinhin als ‚kulturelle Aneignung‘ beschrieben wird, kann sowohl in der Übernahme von oberflächlichen Merkmalen als auch in der selektierten Wiedergabe von Wissen bestehen und ist Teil der Menschheitsgeschichte.
Alle Weltreligionen und -kulturen bedienen sich an einem Potpourri von Bildern, Symbolen und Erzählungen vieler kleinerer Traditionen. Besonders ausgeprägt ist die ästhetische Übernahme sogenannter ‚Orientalismen‘. Vor allem ab der Neuzeit haben sich wohlhabende und mächtige Europäer und Europäerinnen in orientalischem Gewand portraitieren lassen.
Portrait Ferdinando II. de Medici in orientalischem Kostüm, Justus Sustermans, c.1640, Galleria Palatina, Florenz.
Die Frau des Sultans (Mme de Pompadour), Carle van Loo, 1747, Hermitage Museum, St. Petersburg.
Wichtig war hierbei vor allem der bildliche Kulturvergleich. Entweder brachte man direkt dunkelhäutige Dienerschaft unter oder man hielt sich soweit im Rahmen der europäischen Bildtradition, dass die orientalischen Kleidungs- und Möbelstücke deutlich als Accessoires erkennbar waren, als Beigaben, die die Reichweite des*r Porträtierten demonstrieren sollten. Diese Reichweite bestand nicht nur, aber auch, durch die ökonomische und politische Kolonialisierung anderer Kulturen, die, selbst ohne einen solch starken Expansionsdrang, über entsprechend weniger Reichweite verfügten. Besonders die Kampagnen von Napoleon Bonaparte (1769- 1721) initiierten eine staatlich kontrollierte Wiedergabe von sowohl wissenschaftlichen als auch künstlerischen Darstellungen.
Im Bild eingeschrieben sehen wir also oft eben dieses hierarchische Verhältnis der Kulturen und ein stereotyper Blick auf die Lebensverhältnisse in anderen Ländern.
Es gab aber auch Künstler*innen, die den Versuch wagten, ein umfassenderes Bild zu erhalten und wiederzugeben; sich auf Reisen in den sogenannten ‚Orient‘ begaben und sogar konvertierten (wie der französische Künstler Etienne, gen. Nasreddinne, Dinet (1861-1929).

Palmen Hain bei Laghouat, Etienne Dinet, c. 1890, Private Collection.

Auch der renommierte Eugène Delacroix (1798- 1863) unternahm mehrere Reisen nach Nordafrika und in den östlichen Mittelmeerraum. In seinen Bildern spiegelt sich sein Anliegen einer genauen Beobachtung, sowohl der Menschen als auch des Kunsthandwerks und der Architektur. Wobei er stellenweise ebenfalls den mystischen Charakter orientalischer Märchen aufgreift.
Women of Algiers in their Apartment, Eugène Delacroix, 1834, Musée du Louvre, Paris.
The Death of Sardanalpalus, Eugène Delacroix, 1827, Musée du Louvre, Paris.
Der Literaturwissenschaftler und Kulturtheoretiker Edward Said beschreibt diesen sogenannten ‚Orientalismus‘ genauer und formuliert dabei kritisch, wie sich der politische Westen mit anderen Kulturen auseinandersetzt. Diesbezüglich informiert dieses Video
(in englischer Sprache): Orientalism and Art History - Edward Said's Theory
Mehr zum Thema Orientalismus in der europäischen Kunst bietet dieser eCourse, der sich ausgiebiger mit politischen Hintergründen und künstlerischen Interpretationen befasst
(in englischer Sprache): Orientalism in European Art History - Udemy Kurs
Solltet ihr Interesse an einer deutschsprachigen Version der Videos haben, schreibt es mir gerne in die Kommentare.
Je mehr sich dafür interessieren, desto wahrscheinlicher ist es, dass ich diese Version anbiete.